Taktiles Kinderbuch

Setzkasten mit Buchstaben in der Deutschen Zentralbücherei für Blinde
Setzkasten mit Buchstaben in der Deutschen Zentralbücherei für Blinde. Foto: Nora Gohlke

Ein taktiles Kinderbuch zeigt: Inklusion ist über alle Grenzen möglich
Die Deutsche Zentralbücherei für Blinde (DZB) war zusammen mit dem Förderverein „Freunde der DZB“ von Beginn an in das Nakopa-Projekt involviert. Zwischen 2017 und 2019 werden zwei Pilotprojekte mit Partnern aus Leipzig und Addis Abeba realisieren. Beide Projekte haben eine längere Vorgeschichte. Sie basieren auf der Idee, dass Inklusion nur durch einen gemeinschaftlichen Lernprozess entstehen kann. Vertreter der Deutsche Zentralbücherei für Blinde haben seit 2015 Verbindungen zu unterschiedlichen Partnern in Addis Abeba aufgebaut. Bei mehreren Besuchen stellten sie fest, dass sowohl in Leipzig als auch in Addis Abeba mit ähnlichen Problemen gekämpft wird. Es zeigten sich sehr interessante Lösungsansätze bei den Partnern in Äthiopien – Ansätze, von denen man in Leipzig viel lernen kann.

Ein sehbeinträchtigter Junge in der German Church School arbeitet mit speziellem Material in der Schulbank.
Ein sehbeinträchtigter Junge in der German Church School arbeitet mit speziellem Material in der Schulbank.

Ein Pilotprojekt ist die ein taktiles Kinderbuch, welches von Kindern aus Leipzig und Addis Abeba gemeinsam mitentwickelt wird. Dieses Projekt wird in enger Kooperation mit dem Fachbereich Förderpädagogik der Universität Leipzig sowie mit der German Church School in Addis Abeba sowie der Wladimir-Filatow-Schule und der Heinrich-Mann-Grundschule in Leipzig verwirklicht. In einem ersten Schritt wurden Kinder mit und ohne Sehbeeinträchtigung und unter pädagogischer Betreuung motiviert, über ihre Heimatstadt Leipzig bzw. Addis Abeba Geschichten oder Bilder zu schreiben, zu malen, zu kleben oder zu schneiden. Hierdurch entstand ein spannender, vielseitiger und kindlicher Blick auf die beiden Städte. Im zweiten Schritt wurden die Materialien aus den drei Schulen zusammengetragen und von Expertinnen der Universität Leipzig und der DZB sowie von einer inklusiv arbeitenden Grafikdesignerin ausgewertet. Es wurden Gemeinsamkeiten, Ähnlichkeiten und Unterschiede herausgefiltert und eine gemeinsame Geschichte entwickelt, die die Perspektiven der Kinder aus beiden Städten zeigt und zueinander bringt. In einem letzten Schritt wird die entstandene Geschichte in das barrierefreie Format eines taktilen Kinderbuches übertragen, indem fühlbare Elemente genutzt werden, sowie neben der „Schwarzschrift“ auch die Braille-Schrift verwendet wird. Alle grafischen Elemente werden in starken Kontrasten und mit reduzierten Formen dargestellt. Am Ende entsteht ein Kinderbuch über Leipzig und Addis Abeba, welches blinde, sehbeeinträchtigte und sehende Kinder gleichermaßen anschauen können – ein Kinderbuch von Kindern für Kinder, egal ob mit oder ohne Beeinträchtigungen.