Inklusiver Schulgarten

Sarah Junge vom Berufsschulzentrum 12 riecht an duftenden Kräutern im Botanischen Garten von Addis Abeba. Foto: Stephanie von Aretin
Sarah Junge vom Berufsschulzentrum 12 riecht an duftenden Kräutern im Botanischen Garten von Addis Abeba.

Inklusives Schulgartenprojekt zwischen den Partnerstädten

Leipzig und Addis Abeba

 

Das Recht auf ganzheitliche, inklusive Bildung, unabhängig von Behinderung, ethnischer, kultureller oder sozialer Zugehörigkeit, sowie anderer exkludierender, normativer Etikettierungen, gilt es seit 2008 mit in Kraft treten der UN-Behindertenrechtskonventionen, umzusetzen. Diese Aufgabe stellt Schulen und Lehrkräfte nicht selten vor Herausforderungen, die unüberwindbar scheinen. Dabei wird inklusives, gemeinsames Lernen häufig zu groß gedacht und niedrigschwellige Angebote, die bei den individuellen Ressourcen der Schüler*innen ansetzen, selten umgesetzt.

Das inklusive Schulgartenprojekt der Partnerschulen – die German Church School in Addis Abeba und das Berufsschulzentrum (BSZ) 12 in Leipzig – soll zeigen, dass Inklusion, nicht nur ein idealistischer Gedanke sein muss. Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung gestalten gemeinsam einen barrierefreien Garten und lernen dabei spielerisch in den Fächern Werken, Biologie, Mathe und Gemeinschaftskunde. Dabei kommt es ganz nebenbei zur Sensibilisierung für Menschen mit Behinderung, zur interkulturellen Begegnung und nicht zuletzt zum Erfahren von Selbstwirksamkeit.

Die bereits barrierefreien Schulhöfe werden mit Abschluss des Projekts Ende 2019, je zwei von den Schüler*innen selbstgebaute Pflanzkübel schmücken. Dabei wird sowohl die German Church School als auch das BSZ 12 je einen Kübel mit äthiopischen, sowie einen Kübel mit deutschen Kräutern erhalten. Die Kübel werden ca. einen Meter hoch sein, so dass auch Menschen mit Körperbehinderung oder jene die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, uneingeschränkten Zugang haben. Des Weiteren werden duftende und wohlschmeckende Kräuter aus beiden Ländern verwendet, so dass auch Menschen mit Sehbehinderung diese olfaktorisch, gustatorisch und taktil kennenlernen können. Nicht zuletzt trägt die Beschriftung der Kübel und Pflanzen in Deutsch, Amharisch und Braille zur kulturellen und barrierefreien Verständigung bei.

Dieser inklusive Schulgarten ist Teil „Nachhaltiger Kommunalentwicklung durch Partnerschaftsprojekte (Nakopa)“ und ein Modellprojekt. Weiterhin werden in Zusammenarbeit mit dem botanischen Garten Leipzig und dem botanischen Garten Addis Abeba, Pflanzen ausgewählt, die klimatisch angepasst sind. Dies geschieht unter der Leitung der Inklusionspädagogin des BSZ 12, Sarah Junge, des Fachbereichsleiters des BSZ 12, Frank Böhme, und des Sozialarbeiters der German Church School, Merdassa Kassaye.

Ziel ist es einen Schüleraustausch nach Addis Abeba und nach Leipzig mit drei bis vier Schülern durchzuführen. Gemeinsam mit der beteiligten Lehrkraft, dem Sozialarbeiter vor Ort und der Inklusionspädagogin werden die Kübel gebaut, gestaltet, bepflanzt und beschrifet.