Audiobuch und Radio-Feature

Audiobuch und Radio-Feature
Ein äthiopischer Projektteilnehmer ertastet Buchstaben auf einer Metallplatte. Foto: Nora Gohlke

Das Pilotprojekt Audiobuch: Ein äthiopischer Verein lernt, wie ein Hörbuch hergestellt wird. Zwei Radio-Geschichten erzählen über „Blindes Leben“.

Die Deutsche Zentralbücherei für Blinde (DZB) ist eine Bücherei speziell für Blinde in Leipzig. (siehe Pilotprojekt „Ein Kinderbuch zum Anfassen“). In dem Projekt Audiobuch arbeitet die DZB mit einem äthiopischen Verein zusammen. Dieser Verein heißt Together! Er hilft blinden Menschen in Addis Abeba und besonders blinden Müttern. Zum Beispiel bietet er Computerkurse an, Betreuung für Kinder oder kostenlose Unterkunft.

Der sehbeinträchtigte äthiopische Projektteilnehmer Habtamu Shiawul spielt auf einem Klavier. Foto: Nora Gohlke
Der sehbeinträchtigte äthiopische Projektteilnehmer Habtamu Shiawul spielt auf einem Klavier. Foto: Nora Gohlke

Ein wichtiges gemeinsames Thema der DZB und der NGO Together! ist der Zugang zu Informationen. Die Herstellung von Braille-Literatur ist aufwändig und teuer. Eine Alternative dazu bieten Audioformate (Hörbücher, Hörspiele, Radiofeatures etc.), die relativ preiswert über MP3-Player einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können.

Blinde Menschen in Leipzig und Addis Abeba wollen mehr über ihre Umwelt erfahren. Aber es ist teuer, Bücher in der speziellen Braille-Schrift für Blinde herzustellen. Hörbücher sind deswegen eine gute Alternative. Mit einem MP3-Player können Blinde sie anhören. Das ist nicht sehr teuer. Die Partner in Addis Abeba wollen in diesem Projekt lernen, Hörbücher selber herzustellen. Dafür wollen sie wissen, wie Journalisten arbeiten. Sie wollen auch die Technik kennenlernen. Im Februar 2018 kamen deswegen zwei Teilnehmer aus Addis Abeba für eine Woche nach Leipzig. Sie arbeiteten mit verschiedenen Menschen zusammen, um eine Hörgeschichte für das Radio herzustellen:
– Mit der Journalistin Nora Gohlke
– Mit einem Techniker der DZB
– Mit dem Projektleiter Ludwig Henne.

Auf einer taktilen Buchseite ist der Kölner Dom abgebildet. Foto: Nora Gohlke
Auf einer taktilen Buchseite ist der Kölner Dom abgebildet. Foto: Nora Gohlke

Im Herbst 2018 reiste die Journalistin Nora Gohlke nach Addis Abeba. In dem Verein Together! führte sie zwei Lehrgänge durch. Die Teilnehmer arbeiteten mit der Software für die Herstellung von Hörbüchern. Außerdem wurde ein Studio aufgebaut. Dort werden Hörbücher aufgenommen. Jetzt kann Together! eigene Hörbücher herstellen. Viele Menschen können sie anhören.

Die Journalistin Nora Gohlke erzählt außerdem in zwei Radio-Geschichten über das Thema „Blindes Leben“. Gemeinsam mit den Partnern von Together! entwickelte Nora Gohlke Ideen für diese Geschichten. Als ein Mitarbeiter von Together im Februar nach Leipzig kam, war das seine erste große Reise. Er heißt Habtamu Shawl und ist blind. Er ist zum ersten Mal mit einem Flugzeug geflogen. Habtamu Shawl hat der Journalistin Nora Gohlke von seiner Reise erzählt. Zusammen haben sie eine sehbehinderte Frau besucht, die viel reist. Diese Interviews haben sie für die Radio-Geschichten aufgenommen.

Kinder begrüßen Delegationsteilnehmer in der NGO Together in Addis Abeba.
Kinder begrüßen Delegationsteilnehmer in der NGO Together in Addis Abeba.

In Addis Abeba führten sie die Geschichten fort. Nora Gohlke ließ sich durch das Haus von Together! führen. Sie sprach dort mit vielen Mitarbeitern und nahm diese Gespräche mit einem Aufnahmegerät auf. Außerdem begleitete Nora Gohlke zwei blinde Menschen in Addis Abeba mit einem Aufnahmegerät. Sie führte mit ihnen Interviews über ihr Leben als blinde Menschen. Die beiden wurden von Together! unterstützt und ausgebildet. Samuel Hailemariam arbeitet heute in einem Ministerium. Enaniye Yalew arbeitet in einer Werkstatt, in der Teppiche hergestellt werden. Enaniye und Samuel werden in der Geschichte für das Radio vorgestellt.

Auch in Deutschland hat Nora Gohlke blinde Menschen begleitet. Sie hat Tonaufnahmen mit Menschen gemacht, die gern unterwegs sind oder auf Reisen gehen. Zum Beispiel fahren sie auf einem Fahrrad für zwei Personen. Das heißt Tandem fahren. Oder sie wandern in einer Reisegruppe für blinde Menschen. Nora Gohlke hat mit vielen Menschen telefoniert, die blind sind und auf Reisen gehen. Auch diese Telefonate nahm sie mit einem Aufnahmegerät auf. Alle Aufnahmen wurden für die Radio-Geschichten zusammengefügt und bearbeitet.

Die Geschichten über das Thema „blind reisen“ werden nun im Radio ausgesendet. So lernen viele Menschen das Leben von Blinden in Deutschland und Äthiopien kennen.